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Gerard Prent

Eine Blume, ein Zweig, ein Spatz – als Motive belanglos und bekannt, so mag man meinen. Nicht bei dem holländischen Maler Gerard Prent (*1954). Seine Spatzen sind zwar in Lebensgröße, dann wiederum so klein auf einer riesigen Leinwand platziert und dargestellt, dass man als Betrachter sehr nah an sie herantreten muss, um die exakt dargestellten Körperformen zu erkennen. Und dann gibt es die großformatigen Blütenzweige und Blumen, die in ihrer fast haptischen Farbigkeit so präsent und doch so abstrakt wirken, dass man erst einmal zurücktreten muss, um die Fülle und den Rausch an Farbe, Emotion und künstlerischer Fertigkeit zu erfassen und auf sich wirken zu lassen.

Gerard Prents Motive erinnern auf den ersten Blick an eine Unmittelbarkeit eines Lucian Freud und/oder die sanfte Künstlichkeit einer unterkühlten Neuen Leipziger Schule. Doch Prents eigener Ausdruck nimmt seinen Ursprung 1997, als er für sich entdeckt, dass durch die Darstellung von etwas Alltäglichem und vermeintlich Banalem, wie einem Spatz, ein besonderer Reiz ausgeht. Der spürbare Drang und die Lust diesem eigenen Erleben von Wirklichkeit ein künstlerisches Ventil zu geben, ohne sich dabei an Regeln, Vorschriften oder Meinungen halten zu müssen, inspirieren den Künstler bis heute. Prent arbeitet in teils großformatigen Serien. Er fotografiert seine Motive, um sie im Anschluss von ihrem natürlichen Vorbild zu lösen und mehr und mehr der Abstraktion zu überführen.

Man kann diese Phase als einen Wendepunkt im Schaffen Prents sehen. Das Motiv des Spatzen kann hierbei als eine Art Metamorphose verstanden werden, das den Künstler befreit und zu neuen künstlerischen Ansätzen führt. Betrachtet man den Vogel von nächster Nähe fällt auf, wie vielschichtig und detailliert der Farbauftrag, den Prent mit Messer oder Spachtel aufbringt, ist. Die Darstellung des Spatzen bildet einen eigenen Mikrokosmos, der in Verbindung mit dem Hintergrund das Spiel um eine Präsenz zwischen naturalistischer und abstrahierender Darstellungsebene eröffnet. Entfernt man sich wieder von einem Spatzenbild, so verändert sich der Vogel zu einem beige-schattierten Fleck, der mitsamt seines Schattens vor einem monochrom-farbigen Hintergrund schwimmt. Von diesem Hintergrund geht eine faszinierende Wirkung aus: zum einen verlangen die irisierende Farbe und das Großformat ihre Aufmerksamkeit aus der Distanz, zum anderen lockt der lasierende, mit breiten Bürsten oder Pinseln verstrichene Farbauftrag den Betrachter, sich wieder zu nähern. Der Vogel rückt nun wieder in den Fokus – das Spiel hat begonnen.

Ein für jeden Betrachter ähnlich subjektives Erfahrungserlebnis stellen Prents großformatige Blumenbilder dar. Mit ihrer atemberaubenden Präsenz wirken sie geradezu betörend, ohne dabei ins Romantische abzugleiten. Die Sogwirkung aus Farbigkeit und starker Vergrößerung des Motivs zeigt abermals, wie unstillbar der Drang des Künstlers ist, sein Erleben von (alltäglicher) Wirklichkeit künstlerisch freizugeben. Damit wohnt diesen Bildern ein geradezu impressionistisches Moment inne – man mag vielleicht an Claude Monets Seerosenbilder (Nymphéas) denken.

Oder um es mit den Worten Vincent van Goghs zu fassen: „Statt zu versuchen, genau das wiederzugeben, was ich vor Augen habe, bediene ich mich der Farbe viel willkürlicher, um mich kraftvoll auszudrücken.“

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